Name und Wohnort:
Lennart aus Hamburg

Alter:
29 Jahre

Beruf:
Pflege-Azubi

MAN SAGT, DIE JUNGEN PFLEGEN DIE ALTEN – UND HEY, ICH BIN SCHLIESSLICH EIN JUNGE.

Ich höre das gar nicht mehr, wenn mich einer zum Spaß „Schwester Lennart“ nennt. Kann ich ja nichts dafür, wenn die Leute heute noch ein Bild vom Pflegeberuf haben, das aus den Fünfzigerjahren stammt. Gütig lächelnde Frauen, die Bettpfannen wechseln und Essen bringen – so stellen sich manche den Beruf vor. Das war damals schon falsch und ist es heute erst recht.

„Mit Menschen arbeiten, helfen, zuhören – das ist typisch Lennart.“

Ich habe vor meiner Ausbildung über Monate einen Freund begleitet, der an Krebs erkrankt war. Was Pfleger und Ärzte im Krankenhaus und im Hospiz für ihn geleistet haben, hat mich extrem beeindruckt. So sehr, dass ich mich für die Pflegeausbildung beworben habe. Ein paar Freunde fragten „Digga, bist du dir da sicher, ist das was für dich?“ Die Frage war okay, aber heute würde sie keiner meiner Freunde mehr stellen. Weil sie merken: Mit Menschen arbeiten, helfen, zuhören – das ist typisch Lennart, das passt.

Bis ich die richtige Ausbildung für mich gefunden hatte, musste ich einige Umwege gehen. Ich habe erst in der gehobenen Gastronomie gearbeitet und es in der Medienbranche versucht. War interessant, aber nicht das Richtige. Im November mache ich mein Pfleger-examen, als einer von drei Männern unter 28 Azubis. Ein Problem war das nie, im Gegenteil. Wir ergänzen uns gut. Wenn mal wieder was Schweres gehoben werden muss, dann sagen meine Kolleginnen den Patienten, dass die „bärtige Schwester Lennart“ gleich kommt. So viel Spaß muss dann doch sein.